Altdorfer, Cranach und Dürer auf der Spur – Alte Pinakothek München





Alte Pinakothek München



“Drunter und drüber” Altdorfer, Cranach und Dürer auf der Spur
07.07.-18.09.2011





„Drunter und drüber“ ist die vierte Schau in der Folge der Ausstellungen zum 175-jährigen Bestehen der Alten Pinakothek. Der heitere Titel beschreibt ein Thema von enormer Vielfalt: Gezeigt werden Infrarotaufnahmen von Gemäldeunterzeichnungen, die – mit wenigen Ausnahmen – noch nie öffentlich gezeigt wurden.


Albrecht Altdorfer


Albrecht Altdorfer
Die Schlacht bei Issus (Alexanderschlacht), 1529
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Alte Pinakothek





Das Jubiläumsjahr der Alten Pinakothek ist Anlass, die schönsten Beispiele dieser Infrarotreflektographie bezeichneten Untersuchungsmethode aus dem Bereich der altdeutschen Malerei einem breiteren Publikum zu präsentieren.

Nach zwei Ausstellungen mit sammlungsgeschichtlichem Schwerpunkt – „Vermeer in München“ und „Cranach in Bayern“ – und der das gesamte Jubiläumsjahr begleitenden Ausstellung „Schätze aus dem Depot“, die die im Stillen stattfindende Tätigkeit des musealen Bewahrens thematisiert, liegt der Akzent diesmal auf der Forschungsarbeit, die normalerweise ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt.

Dem Künstler auf der Spur, mit seinen Augen sehen, was seit Jahrhunderten kein anderer mehr sah – mit technischen Hilfsmitteln ist es möglich, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Die dabei verwendete Infrarotreflektographie wird seit den 1960er-Jahren bei gemäldetechnologischen Untersuchungen eingesetzt, in den frühen 1990er-Jahren wurde sie am Doerner Institut durch Einbeziehung der digitalen Technik perfektioniert – eine Pionierleistung.

Die Infrarotreflektographie kann sichtbar machen, in welcher Art der Künstler die Komposition auf der Holztafel oder der Leinwand gezeichnet hat, bevor er malte. Erste Kostproben konnten in München 1998 auf der Dürer-Ausstellung gezeigt werden. Seitdem sind zahlreiche weitere hochauflösende Infrarotaufnahmen von Gemäldeunterzeichnungen entstanden, die – mit wenigen Ausnahmen – noch nie öffentlich gezeigt wurden.


Albrecht Altdorfer


Albrecht Altdorfer
Die Schlacht bei Issus (Alexanderschlacht), 1529 | Detail, Infrarotreflektographie
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Doerner Institut





Acht prominente Werke stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Original- gemälde und Infrarotaufnahmen im Format 1:1 werden Seite an Seite gezeigt und erlauben im direkten Vergleich faszinierende Einblicke in das schöpferische Arbeiten Altdorfers, Cranachs und Dürers.

  • Die souveräne Unterzeichnung zur „Alexanderschlacht“ Albrecht Altdorfers wird mit der Infrarotreflektographie auf spannende Weise sichtbar und erscheintnicht weniger grandios als das Gemälde selbst. Der Ausstellungsbesucher erlebt zudem in der Darstellung der „Susanna im Bade“, dass selbst große Künstler mit den Tücken der Perspektive kämpfen.

  • Der Besucher erkennt die Anfänge Albrecht Dürers, der die „Schmerzensmutter“, eines seiner frühesten Werke der Zeit um 1495, noch mit bemühter Genauigkeit vorbereitet und wenige Jahre später in seinem „Selbstbildnis“ von 1500 eine Zeichnung von höchster Perfektion darbietet.

  • Lucas Cranachs d. Ä. Zeichenstil lässt sich an zwei Beispielen aus zwei Lebensphasen belegen. Der genialischen „Kreuzigung Christi“ aus dem Jahre 1503, die der hoch ambitionierte junge Künstler – noch weit entfernt von jeder Werkstattroutine – ganz und gar von eigener Hand zeichnete und malte, wird die unter Werkstattbeteiligung entstandene Darstellung des „Kardinals Albrecht von Brandenburg vor dem Gekreuzigten“ gegenübergestellt.

  • Hans Baldung Grien erweist sich als ein akribischer Zeichner, der nichts dem Zufall überlässt und sein Gemälde wie eine selbstständige Handzeichnung – viel genauer als notwendig – vorbereitet.

  • Und schließlich erlebt man den Augsburger Maler Hans Holbein, der einen Flügel des „Sebastiansaltar“ im letzten Augenblick vor der Fertigstellung als Abschiedbild für seinen jüngsten Sohn Hans umgestaltet, der kurz zuvor seine Heimatstadt Augsburg verlassen hat.


Lucas Cranach d. Ä.


Lucas Cranach d. Ä.
Kreuzigung Christi, 1503
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Alte Pinakothek

Lucas Cranach d. Ä.


Lucas Cranach d. Ä.
Kreuzigung Christi, 1503 | Detail, Infrarotreflektographie
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Doerner Institut





Die Unterzeichnungen bieten nicht nur Einblick in individuelle Arbeitsweisen und Werkprozesse, sondern sind Kunstwerke von eigener Schönheit – Handzeichnungen, wie kein graphisches Kabinett sie besitzt. Moderne Untersuchungstechnologie macht’s möglich.

Der Katalog mit ca. 120 Seiten bildet alle Gemälde und Infrarotreflekto- graphien, teils in großformatigen Details ab, Bildkommentare von Martin Schawe erläutern die Darstellungen. In einer Einführung beschreibt Andreas Burmester die hundertjährige Geschichte der bild gebenden Verfahren an den Pinakotheken und die Entwicklung der digitalen Infrarotreflektographie am Doerner Institut.

Im Rahmen der Ausstellung wird nach 23 Jahren erstmals wieder Albrecht Dürers Darstellung der „Schmerzensmutter“, 1988 bei einem Attentat schwer beschädigt, nach Abschluss der Restaurierung in der Alten Pinakothek gezeigt.




Courtesy Alte Pinakothek München
Bildmaterial © Bayerische Staatsgemäldesammlungen München – Doerner Institut






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~ by Stampfli & Turci on July 18, 2011.

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