Rodney Graham. Through the Forest / Hamburger Kunsthalle





Hamburger Kunsthalle



Rodney Graham. Through the Forest
22. Oktober 2010 bis 30. Januar 2011
Galerie der Gegenwart





Die Retrospektive Through the Forest präsentiert das vielschichtige OEuvre von Rodney Graham (*1949), der neben Jeff Wall als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Kanadas gilt. Graham benutzt alle Arten von Medien – Bücher, Videos, Skulpturen, Maschinen, Malerei, Fotografie, Installation, gedrucktes Material und Musik – um Aspekte der Wahrnehmung, Autorschaft und Schlüsselkonzepte der Kunstgeschichte aufzugreifen und mit diesen zu spielen. Sein künstlerischer Ansatz ist von der Konzeptkunst beeinflusst und begründet sich in der Adaption literarischer Modelle. Die Ausstellung zeigt Grahams virtuoses Spiel mit Realität und Fiktion mit rund 100 Werken aus der Zeit zwischen 1978 und 2010. Viele der Ausstellungsstücke werden zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.


Rodney Graham


Rodney Graham (*1949)
Rheinmetall / Victoria 8, 2003 (Detail)
35 mm film, 35 mm Cinemeccanica Victoria 8
Projektor für 35mm Filme und Filmschleifen.
10:50 min., ohne Ton
Auflage/Edition of: 5 + A.P.
Credit line:Collecció d’Art Contemporani de la
Fundació “la Caixa”, Barcelona
© Copyright: Rodney Grahm 2009





Ein wesentlicher Teil der Ausstellung ist den früheren Arbeiten Grahams gewidmet. Den Beginn seiner Karriere markiert eine Serie von Schnappschüssen, die er während eines nächtlichen Spaziergangs in den Wäldern um Vancouver aufnahm. Die Idee, Orte nachts mit einem Blitzlicht zu erleuchten und die Faszination für photographische Prozesse, in denen Objekte in Bilder übertragen werden, sind auch heute noch essentielle Elemente von Grahams Arbeiten. Die Ausstellung zeigt u. a. die Arbeit Montserrat (1995), eine aus 80 Polaroids bestehende Serie. Mitte der 1980er Jahre stieß Graham im Layout der englischen Übersetzung von Georg Büchners Novelle Lenz auf die Worte „Through the forest“, die zweimal an Stellen auftauchen, an denen der Text von einer Seite auf die nächste übergeht. Aufgrund dieser Wiederholung verstand Graham den Text als Loop – ein Begriff aus der Filmtechnologie, der zum Schlüsselelement für seine Arbeiten wurde. Um das Phänomen im Layout des Textes zu veranschaulichen konstruierte er eine Lesemaschine, bei der die ersten fünf Seiten so arrangiert sind, dass der Effekt des Umblätterns greifbar wird. Graham fertigte weitere Apparate an und entwarf Objekte, die als Display für Bücher dienen.

Einen Ausstellungsschwerpunkt bilden die späteren Filme des Künstlers. Sie führen auf formaler Ebene die Tradition von konzeptuellen Textarbeiten und Arbeiten mit Lichterscheinungen weiter. Für den Film Coruscating Cinnamon Granules (1996) streute Graham Zimt auf eine Kochplatte und filmte dann die glühenden Körnchen. In dem Film Rheinmetall/Victoria 8 (2003) dokumentiert er eine deutsche Schreibmaschine aus den 1930er Jahren zunächst photographisch, anschließend bestäubte er sie mit Mehl und schafft damit ein scharfes Sinnbild für das Totschweigen von Geschichte.


Rodney Graham


Rodney Graham (*1949)
Lucus a non lucendo, 1987
Aufgezogenes Diapositiv in Cibachrom, in
Leuchtkasten (Lichtinstallation im Garten der
American Academy in Rom)
52 x 52 cm
© Ellipse Foundation Contemporary Art
Collection, Estoril/Aloitao
© Rodney Graham

Rodney Graham


Rodney Graham (*1949)
Potatoes Blocking my Studio Door, 2006
Aufgezogenes, chromogenes Diapositiv, in bemaltem Leuchtkasten aus Stahl 208, 3 x 162,6 x 17,8 cm
© Sammlung Titze, Paris





Die Rolle des Künstlers ist ein weiterer Aspekt, mit dem sich die Ausstellung beschäftigt. In der Videoarbeit Lobbing Potatoes at a Gong, 1969 (2006) stellt Graham eine Szene nach, die auf eine Anekdote zu einem Pink-Floyd-Konzerts zurückgeht, bei dem ein Musiker Kartoffeln auf einen Gong warf. Ein Destilliergerät, mit dem Graham aus den Kartoffeln, die den Gong getroffen haben, Wodka machen ließ und der Wodka selbst sind Teil der Installation. Das Triptychon The Gifted Amateur, Nov. 10th, 1962 (2007) zeigt Graham als schlaflosen Amateurmaler, der den Versuch unternimmt, ein großformatiges abstraktes Gemälde von Morris Louis zu reproduzieren. Graham interessiert sich für diese Art von „Übersetzungsprozessen“. So werden auch literarische Elemente bei ihm zu physischen Objekten, sobald sie in ein neues Medium übertragen werden. My Only Novel Translated from the French (After William Beckford, Mark Twain) (2000), in der die französische Übersetzung eines englischen Textes wieder zurück ins Englische übersetzt wird, ist ein Beispiel dafür.


Rodney Graham


Rodney Graham(*1949)
The Gifted Amateur, Nov. 10th, 1962, 2007 (Installation View)
3 aufgezogene chromogene Diapositive in 3 bemalten Aluminiumleuchtkästen, je / each 285,7 x 182,8 x 17,8 cm; gesamt/overall: 285,7 x 558,5 x 17,8 cm
Auflage/Edition of: 4 + A.P.
Credit line: Private Collection. Courtesy Hauser & Wirth
© Copyright: Rodney Grahm 2009





Um Grahams Arbeitsmethode nachvollziehbar zu machen, wird dem Besucher die Möglichkeit gegeben erstmalig Einsicht in die umfassende Materialsammlung an Büchern, Schriften, Photografien und Entwurfszeichnungen des Verlegers Yves Gevaert zu bekommen.







Courtesy Hamburger Kunsthalle
Bildmaterial © Alle Rechte vorbehalten





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~ by Stampfli & Turci on November 8, 2010.

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