Die Kunst der Holzkonstruktion – Chinesische Architekturmodelle / Architekturmuseum München





Architekturmuseum – Pinakothek der Moderne



Die Kunst der Holzkonstruktion – Chinesische Architekturmodelle
bis 28.2.2010





Wollte man China mit einem einzigen Architekturbild assoziieren, könnte man einen fast beliebigen Tempel des Landes mit auskragendem Walmdach und an den Ecken leicht nach oben schwingenden Traufen auswählen. Jeder Betrachter würde den Zusammenhang sofort verstehen, denn keine andere Bauform ist derartig repräsentativ über Jahrtausende hinweg mit einem Land verknüpft. Dass die charakteristische Dachform jedoch eine komplizierte Holzkonstruktion direkt abbildet, ist vielfach unbekannt. Sowohl europäische Architekturhistoriker als auch die zahlreichen China-Reisenden, die staunend vor den noch erhaltenen, atemberaubenden Tempelbauten stehen, verstehen zumeist die kunstvolle Bauweise nicht.





Chinesische Architekturmodelle


Haupthalle des Tempels Nanchan Si, Wutai, Provinz Shanxi (Tang-Dynastie, 782)
© CHINESE ACADEMY OF CULTURAL HERITAGE, BEIJING


Die Konstruktion der chinesischen Traufendächer wurde erst im 20. Jahrhundert wissenschaftlich erforscht. Dabei spielten Modelle, an denen das komplizierte System ineinander gesteckter Bauteile studiert werden kann, eine besondere Rolle. Diese maßstabsgerecht und äußerst exakt erstellten Arbeiten dienen darüber hinaus der Dokumentation und Denkmalpflege, denn auf ihrer Grundlage können Erneuerungen und Rekonstruktionen durchgeführt werden.

In der Chinese Academy of Cultural Heritage in Peking befindet sich heute die größte Modellsammlung von bedeutenden historischen Bauten Chinas. Für die Ausstellung in München, die in Kooperation mit der Akademie entstand, wurden 17 repräsentative Modelle ausgewählt. Diese künstlerisch wie historisch äußerst wertvollen Arbeiten aus den 1950er-Jahren, größtenteils im Maßstab 1:20, sind wie die Originalbauten aus chinesischem Nanholz gefertigt. Die Einzigartigkeit beruht zum einen auf einer schier unglaublichen handwerklichen Präzision, denn jedes noch so kleine Element ist mit größter Liebe zum Detail genau nachgebildet, zum anderen wird darüber auch die komplizierte Konstruktion ablesbar und somit auch verständlich.


Chinesische Architekturmodelle


Guanyin-Turm (Guanyin Ge) des Dule-Tempels (Dule Si), Jixian, Provinz Hebei (Liao-Dynastie, 984)
© Chinese Academy of Cultural Heritage, Beijing

Chinesische Architekturmodelle


Konsolensystem (dougong), (Song-Dynastie 960-1279)
© CHINESE ACADEMY OF CULTURAL HERITAGE, BEIJING


Gezeigt werden Tempelbauten vom 8. bis zum 15. Jahrhundert, darunter die Modelle der ältesten in China existierenden Holzkonstruktionen wie der Nanchan-Tempel (Tang-Dynastie, 782 n.Chr., Wutai, Provinz Shanxi), der Foguang-Tempel (Tang-Dynastie, 857 n.Chr., Wutai, Provinz Shanxi) oder der Guanyin-Turm des Dule-Klosters (Liao-Dynastie, 984 n.Chr., Jixian, Tianjin Provinz Hebei). Einen Höhepunkt der Ausstellung bilden die Modelle der 300 m langen, aus vier Tempeln bestehenden Anlage des Yongle-Palasts in Ruicheng (Yuan-Dynastie, 1271–1368, Provinz Shanxi) sowie das fünf Meter lange Modell des 270 Hektar großen Himmeltempels (Ming- und Qing-Dynastie, seit 1420, Peking), eine der berühmtesten Architekturen der Welt. Mehrere der gezeigten Bauten stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.


Chinesische Architekturmodelle


Modell einer qingzeitlichen Halle mit einfachem Walmdach
© CHINESE ACADEMY OF CULTURAL HERITAGE, BEIJING


Die einzigartige Sammlung der Chinese Academy of Cultural Heritage in Peking wird im Architekturmuseum der TU München zum ersten Mal außerhalb Chinas gezeigt. Zusammen mit Fotografien, Bauaufnahmen und ausführlichen Erläuterungen vermitteln die Modelle einen faszinierenden Einblick in Schönheit und Technik der Holzkonstruktion sowie in die Jahrtausende alte Tradition chinesischer Architektur, deren Bedeutung erst der wirklich würdigen kann, dem die Konstruktion einsichtig geworden ist.



Courtesy Pinakothek der Moderne
Images © CHINESE ACADEMY OF CULTURAL HERITAGE, BEIJING





Links





Stampfli & Turci – Art Dealers


Disclaimer & Copyright





~ by Stampfli & Turci on January 21, 2010.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

 
%d bloggers like this: