Ferdinand Georg Waldmüller Ausstellung – Unteres Belvedere, Wien






Unteres Belvedere, Wien



Ferdinand Georg Waldmüller
9. Juni > 11. Oktober 2009



Ferdinand Georg Waldmüller (1793 – 1865) war der bedeutendste österreichische Maler der Biedermeierzeit. Ob in der Eroberung der Landschaft und in der daraus resultierenden glaubhaften Wiedergabe von Nähe und Ferne, ob in der treffenden Charakterisierung des menschlichen Antlitzes, ob in einer detailgetreuen, fein erarbeiteten Zeichnung von stofflichen Details oder in der launigen Schilderung des Bauernalltags: Seine Werke waren für eine ganze Künstlergeneration richtungweisend – schildernd, erklärend, moralisierend und sozialkritisch zugleich. Auch mit seinem Eintreten für das Naturstudium und die Freilichtmalerei und damit gegen die akademische Maltradition wies Waldmüller weit in die Zukunft.


Ferdinand Georg Waldmüller


Ferdinand Georg Waldmüller
Sitzendes Mädchen in weißem Atlaskleid, 1839
Öl auf Holz – 32 x 26,5 cm
Wien Museum
© Wien Museum





Das Belvedere ist im Besitz des Waldmüller-Archivs und der weltweit größten Sammlung seiner Werke. In der rund 120 Gemälde umfassenden Retrospektive werden die Hauptwerke aus der Sammlung des Belvedere durch Leihgaben aus nationalen und internationalen Sammlungen ergänzt. Einige bislang verschollen geglaubte Gemälde werden erstmals öffentlich präsentiert.





    Ferdinand Georg Waldmüller – Künstler und Rebell


Ferdinand Georg Waldmüller, geboren am 15. Jänner 1793 in Wien, war ein ruheloser Künstler, der bis ins hohe Alter malte und mit über 1.200 Werken ein umfassendes OEuvre hinterließ. Bereits früh hatte er einen Realismus ausgeformt, der damals nicht nur in Wien ohne Beispiel blieb. In der Folge genoss er über die habsburgische Monarchie hinaus hohes Ansehen, vor allem in Deutschland, später auch in England.

Waldmüller schuf Porträts, Landschaften, Stillleben und Genreszenen und lieferte in jedem dieser Bereiche Hauptwerke. Sein höchstes Ziel war die ehrliche Schilderung von Mensch und Natur. Doch nicht nur damit schuf er sich Gegner, sondern auch mit seiner unkonzilianten Art, denn leicht machte er es niemandem, weder sich selbst noch seinen Mitmenschen. So lieferte er mehrere Entwürfe für die Neuorganisation der Kunstakademie, setzte sich für die Anerkennung zeitgenössischer Kunst ein und übte sowohl an seinen Kollegen, den Akademieprofessoren, als auch an der Obrigkeit Kritik.


Ferdinand Georg Waldmüller


Ferdinand Georg Waldmüller
Die Erwartete, um 1860
Öl auf Holz – 81,1 x 63,2 cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München Neue Pinakothek
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München Neue Pinakothek

Ferdinand Georg Waldmüller


Ferdinand Georg Waldmüller
Bautagelöhner erhalten ihr Frühstück, 1859/60
Öl auf Holz – 53 x 44 cm
Wien Museum
© Wien Museum





Im Gegenzug wurde ihm Eigennutz vorgeworfen, außerdem versuchte man – wohl aus Rachegelüsten – seine Kunst zu desavouieren, indem man das Malen im Freien sowie die Wiedergabe von Sonnen- und Tageslicht als unakademisch und demnach unwürdig herunterspielte. Gerade mit diesen Ambitionen aber sollte Waldmüller später höchste Verehrung ernten, denn auf ebendiese Leistungen verwiesen die Mitglieder der Wiener Secession, als sie ihn mit der Bezeichnung „Ursecessionist“ zu einem der ihren machten. Seit damals ist seine Wertschätzung ungebrochen, seit damals zählt Waldmüller zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit.

Entscheidend für Waldmüllers Entwicklung war ein Porträtauftrag, demzufolge er eine alte Frau ohne Beschönigung oder Verschleierung malen sollte, eben „wie sie war“. Die Erkenntnis, die er daraus zog, war nachhaltig, denn von da an war er überzeugt, dass die Natur nur dann authentisch festzuhalten ist, wenn man sie „abschreibt“. Dieses beharrliche Vorgehen äußert sich in jedem Bereich, mit dem sich Waldmüller beschäftigt hat, ob in der Landschaftsmalerei, in der Darstellung von Blumen oder Früchten oder in der Schilderung des täglichen Lebens.





Ferdinand Georg Waldmüller


Ferdinand Georg Waldmüller
Maria Henrietta von Stierle-Holzmeister, Edle von Forstheim, geb. Mierck, die Mutter des Hauptmannes Joseph G. von Stierle-Holzmeister, um 1817
Öl auf Leinwand – 54 x 41 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Berlin
© bpk / Nationalgalerie, SMB, Foto: Jörg P. Anders

Ferdinand Georg Waldmüller


Ferdinand Georg Waldmüller
Lachender Bauernbursche, 1840
Öl auf Leinwand – 50 x 40 cm
Privatbesitz
© Galerie Suppan, Wien





Als sich Waldmüller im formalen Bereich sicher fühlte, suchte er nach dem Atmosphärischen und beschäftigte sich mit dem Licht. Die Sonne Italiens sollte ihn lehren, wie sich die Farbe der Natur unter dem Einfluss der Hitze verändern kann. Drei Reisen in den 1840er- Jahren nach Sizilien ließen ihn erkennen, dass es unter dem südlichen Himmel keine Konturen gibt, kein Weiß, kein Schwarz, keine klaren Farben. Als er diese Erfahrungen dann auf die heimischen Motive in der Umgebung von Wien übertragen wollte, wurde er von seinen Kollegen als „Tollhäusler“ bezeichnet, der nicht fähig sei, hell und dunkel voneinander zu trennen. „Waldmüller kam in seinen alten Tagen auf den Einfall, um eine glänzende Farbe zu erhalten, müsse man im Sonnenlicht malen. Das erklärt wohl die seltsam grelle Farbengebung auf vielen seiner späteren Bilder“, kommentierte Carl von Lützow diesen Sachverhalt in einem Nachruf auf den am 23. August 1865 verstorbenen Künstler.

Waldmüller fand seine Sujets vorzugsweise bei Vertretern des Bauernstandes oder bei der außerhalb der Wiener Stadtmauern lebenden Bevölkerung. Deren Alltäglichkeiten und Feste, Freuden und Nöte verewigte er in zahlreichen Ansichten. Desgleichen zeigen Darstellungen von Kirchgängen, betenden Kindern oder Wallfahrten, wie sehr die Religiosität im Alltag der bäuerlichen Bevölkerung verankert war. Szenen aus dem Bürgertum sind kaum zu finden. Dagegen war er sehr empfänglich für das Aufspüren von Ausgrenzung, Ungerechtigkeit und sozialen Missständen. Darstellungen wie Der Notverkauf (1859, Staatsgalerie Stuttgart) oder Die Delogierung (1859, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister) weisen auf die Schattenseiten des Lebens. Auch veranschaulichte er die Ausbeutung des Menschen, griff brisante Themen wie etwa Kinderarbeit auf und schuf mit dem Bild Die erschöpfte Kraft (1854, Belvedere, Wien) das wohl trostloseste Gemälde des 19. Jahrhunderts. Daneben interessierten ihn Handwerksszenen, bevorzugt Tätigkeiten mit Feuer. In der österreichischen Malerei stellen diese Bilder ein absolutes Novum dar, wie es auch im internationalen Bereich in der Entstehungszeit nur wenige vergleichbare Werke gibt, etwa von Jean François Millet oder Gustave Courbet sowie den Präraffaeliten in England.





Ferdinand Georg Waldmüller


Ferdinand Georg Waldmüller
Ausstellungsansicht
Foto: Eva Würdinger

Ferdinand Georg Waldmüller


Ferdinand Georg Waldmüller
Ausstellungsansicht
Foto: Eva Würdinger





Ein Überblick über Waldmüllers Werk zeigt, wie flexibel der Maler bis ins hohe Alter geblieben war, denn selbst da erlaubte er sich kein Stagnieren. Er war ständig bereit, sich selbst zu hinterfragen und zu überrunden. Bis an sein Lebensende zog er hinaus ins Freie und malte prächtige Ansichten, in denen Mensch und Natur in friedvoller Harmonie vereint sind. Eine rege Ausstellungsbeteiligung brachte ihm zudem Anerkennung im Ausland und bestärkte ihn in der Überzeugung, sich auf dem richtigen Weg zu befinden.

Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Musée du Louvre, Paris entstanden, wo diese im Frühjahr 2009 in kleinerer Form zu sehen war und wird von einem Katalog in deutscher und französischer Sprache begleitet.




Bildmaterial © die jeweiligen Besitzer


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~ by Stampfli & Turci on July 7, 2009.

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