The Non-Age – Ausstellung in der Kunsthalle Winterthur






Kunsthalle Winterthur



The Non-Age
7. Juni – 26. Juli 2009

Vernissage und Performance von Thomas Zollinger am Samstag 6. Juni 2009 17 h



Künstler :
Miguel Aguirre, Sabine Dehnel, Ana de Matos, Peter Granser, Dani Marti,
Luis Molina-Pantin, Erwin Olaf, Jesús Segura, Thomas Zollinger



Ausstellungsansicht


The Non-Age
Ausstellungsansicht Kunsthalle Winterthur mit Werken von Miguel Aguirre (links), Erwin Olaf (rechts) and Luis Molina-Pantin (mitte).
Mit freundlicher Genehmigung der Kunsthalle Winterthur





Marc Augés in den 1990er Jahren eingeführter Begriff der Non-Places dient als Ausgangspunkt des Ausstellungskonzeptes von The Non-Age: ‘Wenn ein Ort als relational, historisch und identitätsstiftend definiert wird, dann ist ein Ort, der weder relational, historisch noch identitätsstiftend funktioniert, ein Nicht-Ort.’ Als Bezeichnung, welche die Komplexität des Alterns in einer auf Hyperkonsum basierten Gesellschaft reflektiert und herausfordert, befragt The Non-Age historische und soziologische Ideen und Vorurteile, die mit dem Alter verbunden sind. Die in der Ausstellung gezeigten Werke reflektieren das Bedürfnis nach einem neuen, experimentelleren Verständnis vom Prozess des Altwerdens, während sie gleichzeitig die damit verbundenen Ängste vor Einsamkeit, körperlichem Verfall und schliesslich dem Tod thematisieren. Die heutigen Senioren und Pensionäre rebellieren zu Recht gegen ihre Stigmatisierung als Hindernis einer Gesellschaft, die sie selber während ihres Lebens formten und aufbauten

Ganz allgemein haben sich Körper und Geist mittlerweile in ein Schlachtfeld verwandelt, das Korrekturen, Änderungen und Transformationen gemäss eigener Wünsche erlaubt; und dies stets als Antwort auf der Suche nach dem vermeintlichem Glück, nach einem dynamischeren, attraktiveren und undefinierteren Alter. Dies wird zusätzlich befeuert von einer Tendenz hin zu einem immer stärker von Medizin und Chirurgie definierten Leben. Die Konsumgesellschaft etablierte in den Medien einen jungen, knackigen, gesunden und unversehrten Körper, während die kosmetische Chirurgie versucht, Personen ohne Alter zu erschaffen. Auch im Alter geht es mittlerweile darum in Form zu sein, ins Fitnessstudio zu gehen, eine Diät zu machen, sich sportlicher zu kleiden, den Körper bei Bedarf mit einer Schönheits-OP zu tunen oder sich gesund und kalorienbewusst zu ernähren. Kurz gesagt darum, alles zu tun, was zur Akzeptanz im gegebenen sozialen Kontext beiträgt.


Ausstellungsansicht


The Non-Age
Ausstellungsansicht Kunsthalle Winterthur mit Werken von Erwin Olafs Serie “Mature”, 1998
Mit freundlicher Genehmigung der Kunsthalle Winterthur und Erwin Olaf





Heutzutage wollen Mann und Frau auch im Alter jung und verführerisch sein und ein aktives Sexleben führen, das nicht notwendigerweise mit einer partnerschaftlichen Beziehung einhergeht. Unsere Vorstellungen von Sexualität, Alter und Körperlichkeit werden hinterfragt: Männer gehen mit älteren Frauen aus, Frauen haben jüngere Partner, offene Beziehungen mit mehreren Sexualpartnern sind normal. Frauen lieben Frauen, Frauen teilen sich angesichts des Mangels an Männern – eine Folge der statistisch höheren Lebenserwartung – einen Liebhaber und Sex ohne Liebe ist ebenso möglich wie der selbstbewusste Umgang mit Sexspielzeugen. Diese durchaus realen Vorgänge markieren einen eindeutigen Bruch der herrschenden gesellschaftlichen Tabus respektive verdeutlichen sie die Ausblendung von Körperlichkeit im Alter.

Traditionellerweise wird man im Alter zum Mitglied einer Passivgesellschaft, die älteren Menschen die Teilnahme am politischen Leben ebenso streitig macht wie bedeutungsvolle und befriedigende Erfahrungen jenseits des Berufslebens. Das Resultat sind Gefühle von Angst, Einsamkeit, Wut und Entfremdung. Gleichzeitig verfügen Pensionäre heutzutage über nicht unerhebliche Vermögen und sind derart zu einem wichtigen kommerziellen Faktor geworden. Als immer wichtigeres Konsumentensegment reisen sie rund um die Welt, besichtigen Städte und Museen, besuchen Master- und Computerkurse, kaufen Digitalkameras und iPhones. Es ist nicht zuletzt das Fehlen von sozialen Verankerungen und der Möglichkeit einer Einflussnahme auf die Gesellschaft, das den Konsum als willkommenes Substitut erscheinen lässt: Konsum wird zur täglichen Therapie, die erlaubt aktiv am Tagesgeschehen teilzunehmen und sich erst noch selber etwas Gutes zu tun. Doch wie stets im Kapitalismus bleibt auch hier eine unbefriedigte Leere: Je besser die Bedürfnisse erfüllt werden können, desto enttäuschter fühlt man sich danach und die existentiellen Zweifel kehren unvermindert zurück.

Aldous Huxley fasste in Brave New World das Glücksprinzip der neuen Welt folgendermassen zusammen: ‚Die Welt ist jetzt im Gleichgewicht. Die Menschen sind glücklich; sie bekommen, was sie begehren, und begehren nichts, was sie nicht bekommen könnten. Es geht ihnen gut, sie sind geborgen, immer gesund, haben keine Angst vor dem Tod. Leidenschaft und Alter sind diesen Glücklichen unbekannt, sie sind nicht mehr von Müttern und Vätern geplagt, haben weder Frau noch Kind, noch Geliebte, für die sie heftige Gefühle hegen könnten (…).’ Wäre dies letztendlich der Preis, den wir zahlen müssen, um im Alter glücklich zu sein?

Paco Barragán/ Oliver Kielmayer






    Bildmaterial © Kunsthalle Winterthur


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~ by Stampfli & Turci on June 5, 2009.

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