Zoe Leonard – Fotografien / Pinakothek der Moderne, München





Pinakothek der Moderne



Zoe Leonard – Fotografien
vom 02.April >05. Juli 2009






Die Amerikanerin Zoe Leonard (1961 in Liberty, New York, geboren), die bereits mehrmals auf der documenta wie der Whitney Biennial vertreten war, zählt zu einer der außergewöhnlichsten Künstlerinnen ihrer Generation.


Zoe Leonard

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Anatomical Model of a Woman’s Head Crying| 1993
Silbergelatine-Abzug | 42,8 x 30,2 cm
© ZOE LEONARD UND GALERIE GISELA CAPITAIN, KöLN


Seit über zwanzig Jahren praktiziert sie mit dem Medium Fotografie ein denkendes Wandern, ein erkennendes Schauen. Auf ihren Streifzügen durch Städte und Landschaften durchforstet sie Natur und Kultur, urbane Räume und museale Stätten auf der Suche nach Zeichen, die über unsere gesellschaftlichen Verhältnisse und ihre unausgesprochenen Widersprüche Auskunft geben.

Leonard eignete sich die Fotografie autodidaktisch an. Im Zentrum ihres Interesses stehen vor allem unscheinbar oder belanglos anmutende Dinge und Alltäglichkeiten, die sie mit großer Beharrlichkeit und oftmals zärtlich anmutenden Respekt durchdringt, um sie zum Sprechen zu bringen. Ihr auf Sammeln und Re-Präsentieren ausgerichtetes Interesse ist einem archäologischen Akt vergleichbar, mit dessen Hilfe die Künstlerin sich die Welt, die sie umgibt, anzueignen und zu verstehen versucht. Dabei untersucht sie zentrale Themen unserer Zeit: sie beschreibt die Folgen der Globalisierung für unser Selbstverständnis, sie reflektiert unser Verhältnis zu Natur und Geschichte, hinterfragt unser Geschlechterverständnis und berichtet über Kolonialismus, Ausbeutung und Verdrängung.

Ihr auf Reduktion bedachter fotografischer Stil wechselt je nach Motiv nicht nur zwischen Schwarzweiß und Farbe, miniaturhaften und fast lebensgroßen Formaten, Einzelbildern und Serien, sondern auch zwischen Aufnahmen, die aus extremen Blickwinkeln wie im Vorbeigehen aufgenommen wirken, und Bildern, die in ihrer formalen Strenge und Detailgenauigkeit an wissenschaftliche Aufnahmen erinnern. Unabhängig vom Sujet geht es der Künstlerin in jedem Bild darum, den Akt des Sehens selbst sowie die kulturellen Bedingtheiten unserer Wahrnehmung sichtbar und erfahrbar zu machen. Die Fotografie ist nie Abbild, Re-Produktion der Wirklichkeit, sondern immer ein visuelles Konstrukt, das gleichviel über das Motiv wie dessen Betrachter offenbart.


Zoe Leonard

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Frontal View, Geoffrey Beene Fashion Show | 1990
Silbergelatine-Abzug | 124,1 x 96,8 cm
© ZOE LEONARD UND GALERIE GISELA CAPITAIN, KöLN

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Anatomical Model of a Woman’s Head Crying | 1993
Silbergelatine-Abzug | 42,8 x 30,2 cm
© ZOE LEONARD UND GALERIE GISELA CAPITAIN, KöLN

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Two Pairs | 1999/2000
Aus der Serie Analogue, 1998-2007 |
Ca. 400 C-Prints + Silbergelatine-Abzüge | 28 x 28 cm
© ZOE LEONARD UND GALERIE GISELA CAPITAIN, KöLN


Zwischen 1998 und 2007 arbeitete Leonard an einem fotografischen Langzeitprojekt, Analogue, das heute mehr als 400 Fotografien umfasst. Ausgehend von ihrer unmittelbaren Nachbarschaft in Harlem, auf der Lower East Side Manhattans und später in Brooklyn bis hin zu Orten, die sie in Ost-Europa und Afrika aufgesucht hat, beschreibt sie den Übergang des industriellen in das digitale Zeitalter, den Verlust spezifischer lokaler Eigenheiten zugunsten einer sich in ihren visuellen Zeichen immer stärker angleichenden, globalisierten Welt. In der Tradition von Fotografen wie Eugène Atget, Walker Evans oder Bernd und Hilla Becher nutzt Leonard die künstlerischen Möglichkeiten dokumentarischer Fotografie, die Relikte einer vergehenden Welt kurz vor ihrem endgültigen Verschwinden festzuhalten und zu überliefern, ebenso wie die bereits überholten Techniken der analogen Fotografie. Analogue wurde erstmals auf der documenta12 in Kassel einem internationalen Publikum vorgestellt, in München wird das gleichnamige Portfolio mit einer Auswahl von 40 Dye-Transfer-Prints zu sehen sein.

  • Die Ausstellung Zoe Leonard. Fotografien ist die erste Retrospektive der Künstlerin in Europa sowie die einzige Präsentation in Deutschland. Sie wurde vom Fotomuseum Winterthur, Kurator: Urs Stahel, initiiert. Für die Pinakothek der Moderne hat die Künstlerin die Ausstellung neu eingerichtet. Auf 600 qm werden mit rund 90 Arbeiten die zentralen Werkgruppen Leonards präsentiert, die in den letzten 25 Jahren entstanden sind.

  • Begleitend ist das Katalogbuch Zoe Leonard. Fotografien mit Texten von Urs Stahel, Elisabeth Lebovici und Svetlana Alpers im Steidl Verlag erschienen, Preis € 50.


Ausstellungsansicht

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FOTO: HAYDAR KOYUPINAR
© Alle Rechte vorbehalten






    Bildmaterial © Alle Rechte vorbehalten


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~ by Stampfli & Turci on May 8, 2009.

One Response to “Zoe Leonard – Fotografien / Pinakothek der Moderne, München”

  1. […] Seit über zwanzig Jahren praktiziert sie mit dem Medium Fotografie ein denkendes Wandern, ein erkennendes Schauen. Auf ihren Streifzügen durch Städte und Landschaften durchforstet sie Natur und Kultur, urbane Räume und museale Stätten auf der Suche nach Zeichen, die über unsere gesellschaftlichen Verhältnisse und ihre unausgesprochenen Widersprüche Auskunft geben. Mehr finden Sie unter eaobjets.wordpress.com […]

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