Bad Painting / Ausstellung im Museum Moderner Kunst Wien








MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Bad Painiting – good art
Ausstellung > 12.Oktober.2008







In einer aufsehenerregenden Ausstellung richtet das MUMOK den Blick auf das bislang zu wenig beachtete Phänomen des Bad Painting.

Gezeigt werden 21 malerische Positionen, deren ‘Badness’ – dem breiten Bedeutungsspektrum des Begriffs entsprechend – sich in verschiedenen Strategien eines schlechten, hässlichen oder bösen Malens manifestiert und dabei Elemente der Ironie, des Protests, des Trash, des Kitsches und des Schocks enthält. Bad Painters kritisieren die Malerei von Innen heraus und eröffnen ihr dadurch neue Möglichkeiten.



John Currin
Thanksgiving, 2003
Foto: © Tate Modern



Bedeutende Maler des 20. Jahrhunderts wie Francis Picabia, René Magritte, Asger Jorn, Philip Guston, Neil Jenney, Georg Baselitz, Albert Oehlen oder Julian Schnabel griffen mit unterschiedlichen Strategien eines unkorrekten, schlechten, hässlichen oder bösen Malens ihr Medium radikal an, um ihm damit neue Möglichkeiten zu bieten. Anhand markanter Werke von 20 Künstlern präsentiert die Ausstellung „Bad Painting“ ein Phänomen, das eine neue, differenzierte Sichtweise auf die Geschichte der Malerei seit der Moderne eröffnet und für den gegenwärtigen Diskurs mitbestimmend wirkt.



Malerei als Proteststrategie

Bad Painters bekennen sich eindeutig zur Malerei. Sie fordern dem Medium kritisches Potential ab, indem sie sich gegen bestehende Kanons der Traditionalisten ebenso wenden, wie sie dogmatische Konzepte und Vorschriften in den Avantgarden angreifen. Somit ist Bad Painting nicht zuletzt eine Kritik an den Utopien der Moderne, deren uneinlösbare Ansprüche und Versprechungen es aufdecken will. Als Gegenbewegung bestimmt die Strategie des Bad Painting bei keinem der Künstler das gesamte Schaffen, sondern kommt jeweils nur in bestimmten Phasen zum Einsatz.



Gegen die Dogmen der Klassischen Moderne

Schon in den 1920er Jahren propagierte Francis Picabia Stilpluralismus und Stilbruch als Alternativen zum linearen Innovations- und Fortschrittsglauben der Avantgarden. Er wird seit den 1980er Jahren als Vaterfigur des Bad Painting gefeiert. Aus Protest gegen den Dogmatismus seiner Surrealistenkollegen brach auch René Magritte aus seinem Signature Style aus — wenngleich nur für eine kurze Zeit. In den Bildern seiner „période vache“ (1948) wird das formale wie inhaltliche Repertoire der Malerei der Moderne in parodistischer Weise „durchgespielt“. Ende der Fünfzigerjahre findet Asger Jorn in seinen „Modifications“ — Übermalungen auf Trödelmärkten gekaufter Bilder —zu einer positiven Einschätzung des Kitsch, den er als „Bad Painting“ bezeichnet. „Personally I like bad better than good.“



Malen gegen die Ächtung der Malerei

Ideologische Kämpfe zwischen Abstraktion und Figuration, ebenso wie die Ächtung der Malerei durch die Avantgarden zwangen die „Bad Painters“ in den 1960er und 1970er Jahren zu klaren Positionierungen: Georg Baselitz will „mit Mist, Schlamm und Unfarben […] wirklich schlechte Bilder malen“, um „mit Aggression und mit heftigem Widerspruch“ etwas „gegen die schönen Dinge zu setzen.“ Sigmar Polke formuliert seine Kritik an der ideologischen Befrachtung des Vokabulars der Moderne in Form von Malerei und setzt sich auch mit dem Phänomen des Kitsch auseinander.

In Amerika wendet sich Philip Guston Ende der 1960er Jahre vom abstrakten Expressionismus zugunsten idiosynkratischer Bilder ab. Heute sind diese Bilder, mit denen er bis zu seinem Tod auf größtes Unverständnis stieß, wesentliche Positionen des Bad Painting. Um 1969/70 produziert Neil Jenney eine von ihm selbst als „Bad“ oder „Unconcerned Paintings“ benannte Serie, die er jedoch wieder beendete. Ihm wurde bewusst, dass selbst wenn er „die schlechtest möglichen Bilder produzierte, diese nicht gut genug wären“.



Ausstellungsansicht
MUMOK 2008
© MUMOK


Ausstellungsansicht
MUMOK 2008
© MUMOK



Bad Painting im Malerei-Hype der 1980er Jahre

Dem dekonstruktiven Ansatz der Postmoderne entsprechend erlebte Bad Painting in den 1980er Jahren eine Hoch-Zeit. Künstler wie Albert Oehlen, Martin Kippenberger oder Werner Büttner betrieben eine radikale Befragung des Mediums und seiner Wirkunsmöglichkeiten. Mit ihrer schonungslos alles und jedes in Frage stellenden Herangehensweise zogen sie dabei nicht zuletzt gegen die oft nur als allzu einfache „gute Malerei“ zu Felde, die damals allerorts boomte. Auch die Weigerung des Amerikaners Julian Schnabel, sich auf einen Stil festzulegen, entspringt dem Geist der Ablehnung jeglicher Regeln und Verbindlichkeiten.

Die Ausstellung führt bis zu aktuellen Positionen des Bad Painting, darunter jenen von John Currin und Lisa Yuskavage. Diese greifen den amerikanischen Wertekanon von Anstand, Korrektheit, “gutem Geschmack” und Schönheit in einer Weise an, die als schockierend, sensationalistisch, “politically incorrect” und “reaktionär” beschimpft wird. Unter anderem arbeiten sie dabei mit dem Rückgriff auf die von den Avantgarden verpönten Malweisen der alten Meister, um das Medium zu kritisieren und ihm neue Impulse zu verschaffen.


Künstler
Georg Baselitz, Werner Büttner, André Butzer, John Currin, Giorgio De Chirico, Pinot Gallizio, Philip Guston, Neil Jenney, Asger Jorn, Martin Kippenberger, René Magritte, Albert Oehlen, Francis Picabia, Sigmar Polke, Heimrad Prem, Peter Saul, Julian Schnabel, Helmut Sturm, Lisa Yuskavage, HP Zimmer


Katalog:

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildeter Katalog mit Texten von Eva Badura – Triska, Bernard Blistene, Julia Gelshorn, Claire Gilman, Christian Höller, Susanne Neuburger, Stefan Neuner und Friedrich Petzel in englischer und deutscher Sprache.


One Response to “Bad Painting / Ausstellung im Museum Moderner Kunst Wien”

  1. […] Bad Painting / Ausstellung im Museum Moderner Kunst Wien […]

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