“Die Kraftprobe” – 200 Jahre Kunstakademie München








Haus der Kunst, München

Die Kraftprobe.
200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München
Ausstellung > 31. August 2008







Zum 200. Akademiejubiläum und zum 850. Stadtgeburtstag Münchens zeigt das Haus der Kunst eine große Ausstellung mit beispielhaften Werken von Professoren und Studenten. Eine pointierte Auswahl von rund hundert, zum Teil großformatigen Exponaten stellt die wechselhafte Geschichte der Akademie der Bildenden Künste in den beiden vergangenen Jahrhunderten bis heute dar.



Jan Matejko
Der Narr Stanczyk, 1862
Öl auf Holz
88 x 120 cm
Warschau, Muzeum Narodowe w Warszawie
© 2007 Haus der Kunst, München. Alle Rechte an der fotografischen Bildvorlage vorbehalten.



Anziehung und Ausstrahlung (1808 – um 1900)

Der erste Teil der Schau erinnert an die Aufbruchphase der Akademie unter Peter von Langer und dem Nazarener Peter von Cornelius. In den ersten Jahrzehnten nahm die Akademie, darin besonders fortschrittlich, auch rund fünfzig Studentinnen auf, darunter Marie Ellenrieder, bevor Frauen – wie bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein allgemein üblich – von der staatlichen Künstlerausbildung ausgeschlossen wurden.

Darüber hinaus macht die Ausstellung die internationale Bedeutung anschaulich, welche die Münchner Akademie im 19. Jahrhundert besaß, als sie zeitweise nicht weniger europäische und nordamerikanische Künstler anzog als die Akademien in Paris, Wien oder Düsseldorf.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt daher auf der Historienmalerei, der bereits in den Statuten der Münchner Akademie das größte Gewicht beigemessen wurde; bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb sie ihr Aushängeschild. Auf den kraftmeierischen Aspekt, den manche Monumentalgemälde der Akademiker hatten, spielt auch der Titel der Ausstellung an, der sich auf das Gemälde “Die Kraftprobe” von Franz von Defregger bezieht.



Franz von Defregger
Die Kraftprobe, 1898
Öl auf Leinwand
131,5 x 174 cm
Wien, Österreichische Galerie
© 2007 Haus der Kunst, München. Alle Rechte an der fotografischen Bildvorlage vorbehalten.


Paul Höcker
Jünglingsakt mit Fisch, um 1900
Öl auf Leinwand
85 x 136 cm
Berlin, Schwules Museum – Sammlung Sternweiler
© 2007 Haus der Kunst, München. Alle Rechte an der fotografischen Bildvorlage vorbehalten.


Günter Fruhtrunk
Oppositionelle Freude, 1981
Acryl und Kasein auf Leinwand
166,5 x 211,5 cm
Nürnberg, Neues Museum, Leihgabe der Stadt Nürnberg, Stiftung aus dem Nachlass Günter Fruhtrunk – Hiltrud Fruhtrunk-Steffens 1990
© 2007 Haus der Kunst, München. Alle Rechte an der fotografischen Bildvorlage vorbehalten.



Leuchttürme und Irrlichter (um 1900 bis heute)

Der zweite Teil der Ausstellung verweist exemplarisch auf die 1892 gegründete Münchner Secession, aus der die Akademie nach dem Niedergang der Historienmalerei rasch neue Professoren rekrutierte, um den Anschluss an die fortgeschrittene Moderne zu finden.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert wird sie so noch einmal für kurze Zeit zum internationalen Zentrum, das Studenten wie Wassily Kandinsky, Paul Klee, Moissey Kogan oder Franz Marc anlockt. Doch weigert sich die Akademie, die Moderne dauerhaft zu integrieren.

Nach dem Ersten Weltkrieg kommen – auf Druck des Ministeriums und gegen den Widerstand des Kollegiums – nur wenige Berufungen zustande, die mutiger genannt werden können. Der gemäßigte Expressionist Karl Caspar wurde später von den Nazis zum Amtsverzicht gezwungen, ohne dass die Professoren dagegen protestiert hätten.

Die Ausstellung geht auch der unheilvollen Allianz der beiden NS-Vorzeigeinstitutionen Kunstakademie und “Haus der Deutschen Kunst” nach, wie sie sich bei den Großveranstaltungen “Tag der Deutschen Kunst” und “Große Deutsche Kunstausstellung” ergab. Sie zeigt dann, wie die Abstraktion erst nach dem Krieg mit Ernst Geitlinger und Günter Fruhtrunk Einzug hielt und die Akademie sich in Malerei und Bildhauerei erst spät wieder international orientierte, wofür seit Beginn der 1980er-Jahre der angelsächsische Raum bevorzugt wird.

Die Ereignisse der Jahre um 1968, als die Akademie die Hochburg der Studentenproteste in München war, verbindet eine eigens zu der Ausstellung produzierte Videoinstallation von heutigen Akademiestudentinnen/en mit der Frage, was von diesem Aufbruch übrig blieb. Damit wird der Bogen bis 2008, dem Jubiläumsjahr, gespannt.


Das Katalogbuch “200 Jahre Kunstakademie München” wird herausgegeben von Akademie der Bildenden Künste München, Nikolaus Gerhart, Walter Grasskamp und Florian Matzner; Hirmer Verlag, ca. 600 Seiten, 250 Abbildungen, ISBN 978-3-7774-4205-1; gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung.






    Text © 2007 Haus der Kunst
    Bildmaterial © Alle Rechte an der fotografischen Bildvorlage vorbehalten.





Links








Disclaimer & Copyright





~ by Stampfli & Turci on August 19, 2008.

One Response to ““Die Kraftprobe” – 200 Jahre Kunstakademie München”

  1. […] “Die Kraftprobe” – 200 Jahre Kunstakademie München […]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

 
%d bloggers like this: