Punk. No One is Innocent – Ausstellung in der Kunsthalle Wien








Kunsthalle Wien

Punk. No One is Innocent
Kunst – Stil – Revolte
Ausstellung > 7. September 2008







Punk war neben HipHop die letzte globale popkulturelle Bewegung, die mehr sein wollte, als nur die akustische Möblierung von Teenager_Schlafzimmern: Ein völliger Umbruch in der Mode, den Stilgesten, den künstlerischen Ausdrucksformen und der Musik: Von der Weltverbesserungsattitüde des „Summer of Love“ in den Sixties zum Nihilismus und den „No Future“_Parolen eines „Winter of Hate“ zehn Jahre später; von den weichen und konturlosen Psychedelic_Farbspielen zu den harten Kontrasten und eckigen Designs der Neon_ und Plastikepoche.




Anarchy in the UK Sex Pistols. No. 1, 1976,
Courtesy Stolper Wilson Collection, London,
Foto: Ray Stevenson/Rex Features
© Alle Rechte vorbehalten



Die Ausstellung Punk. No One is Innocent belegt am Beispiel der drei Metropolen New York, London und Berlin, wie unterschiedlich und doch konsistent Punk in verschiedenen Kulturräumen und gesellschaftspolitischen Milieus auf die bildende Kunst, den „Look“ der Jugendlichen und die Chiffren der Revolte wirkte. Während er in England vor allem ein Stil_ und Modephänomen war und eine typische Grafik hervorbrachte, gab es in den USA und in Deutschland von Beginn an eine enge Beziehung zwischen Künstlern und Punkrockern – viele der Künstler und Avantgarde_Filmemacher wie Jim Jarmusch, Wolfgang Müller, Alan Vega und Salomé spielten selbst in Bands.

Über den Song „Anarchy in the UK“ von den Sex Pistols, der das Punk_Phänomen mit einem Schlag weltweit auf die Titelseiten brachte, schrieb der Poptheoretiker Greil Marcus: „Es ist bloß ein Popsong, ein Möchtegernhit, eine billige Ware. Und doch stellt die Stimme, die den Witz erzählt etwas Neues im Rock ‘n’ Roll dar, und damit in der populären Nachkriegskultur: eine Stimme, die sämtliche gesellschaftlichen Fakten leugnet und dadurch beteuert, dass alles möglich ist. Und sie bleibt neu, weil der Rock ‘n’ Roll sie immer noch nicht eingeholt hat.“

An der Spitze der britischen Punkbewegung standen der Manager und Anarcho_Denker Malcolm McLaren, die Modedesignerin Vivienne Westwood und der Graphiker Jamie Reid. Gemeinsam schufen sie eine visuelle Corporate Identity des Punk, von der noch mehrere Generationen zehren sollten: Eine Sicherheitsnadel in der Wange von Queen Elizabeth, T_Shirts mit Schock_Motiven, S/M_Mode für den subversiven Flaneur, Typographien, die mit ihren aus Zeitungen ausgeschnittenen Buchstaben Erpresserbriefe nachahmten. Es ging um die Idee von Punk als Überfall auf das Bewusstsein der Massen. Das Publikum wurde symbolisch in Geiselhaft genommen, und mit Forderungen, Zumutungen und optischen Schocks traktiert.



Vivienne Westwood in “Sex”, 1975,
Foto: William English
© Alle Rechte vorbehalten


Jamie Reid, God Save the Queen, 1976,
© Jamie Reid,
Courtesy Vivienne Westwood Archive


Richard Hambleton, Shadow Man, New York City, East Village, 1982,
Foto: Hank O’Neal,
Courtesy Hank O’Neal und/and Woodward Gallery, New York
© Alle Rechte vorbehalten



Mag die ursprüngliche Absicht der britischen Semiotik_Guerilla auch gewesen sein, „Cash aus Chaos“ zu destillieren, so wurde doch schnell etwas anderes daraus: Ein Taumel der Zeichen und Embleme, eine Kakophonie von ideologisch geformten Bedeutungen, die mit zerstörerischem Furor in Sinnvernichtung überführt wurden. Aus heutiger Sicht ist es weniger die doch eher einseitige musikalische Seite des Punk, die nachhaltig weiterwirkt, als das Spiel mit Ikonografien und mit kunstimmanenten Bezügen, die Geisteshaltung einer konsequenten Negation, die einen Raum für Möglichkeiten öffnete. Punk ließ spüren, wie es ist, der Welt abhanden zu kommen und gleichzeitig in subjektiver Träumerei an einer neuen Subjektwerdung zu arbeiten.

Die Ausstellung Punk. No One is Innocent in der Kunsthalle Wien zeigt, dass Punk eine ästhetische Behauptung von Radikalität war, die sich vor allem als Revolution der Zeichen manifestierte und mit ihrer Do_it_yourself_Ästhetik produktive Irritation stiftete. Die optischen Spuren dieser mittlerweile längst historisch gewordenen Bewegung prägen bis zum heutigen Tag künstlerische Ausdrucksformen und haben über Protagonisten wie Laurie Anderson und Vivienne Westwood längst den Galerien_ und Modemainstream erreicht.

Die Ausstellung umfasst neben bildender Kunst auch historische Artefakte (Flyer, Plattencovers, Manifeste, Fotodokumentationen), sowie typische Stil_Embleme, die als genetischer Code eines popkulturell verschlüsselten White Riot bis in die Gegenwart spürbar sind.

Teilnehmende KünstlerInnen:

LONDON: Leigh Bowery, Derek Jarman, Linder, Malcolm McLaren, Genesis P_Orridge, Jamie Reid, Johnny Rozsa, Jon Savage, Vivienne Westwood, Stephen Willats, Cerith Wyn Evans, Bill Woodrow
NEW YORK: Vito Acconci, Lynda Benglis, Richard Hambleton, Richard Kern, Robert Longo, Ann Magnuson, Robert Mapplethorpe, Mark Morrisroe, Tony Oursler, Christy Rupp, Alan Vega, Arturo Vega, David Wojnarowicz
BERLIN: Elvira Bach, Jörg Buttgereit, Einstürzende Neubauten, Luciano Castelli, endart, Die tödliche Doris, Manfred Jelinski, Walter Gramming, Hormel & Bühler, Malaria!/Mania D, Martin Kippenberger, Maye & Rendschmidt, Notorische Reflexe, Salomé, Wolkenstein & Markgraf, Yana Yo





    Text © Kunsthaus Wien
    Photos © Alle Rechte vorbehalten





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~ by Stampfli & Turci on August 18, 2008.

One Response to “Punk. No One is Innocent – Ausstellung in der Kunsthalle Wien”

  1. […] Punk. No One is Innocent – Ausstellung in der Kunsthalle Wien […]

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