Sebastiano del Piombo – Ausstellung in der Gemäldegalerie Berlin








Kulturforum Potsdamer Platz, Gemäldegalerie – Berlin

Raffaels Grazie – Michelangelos Furor:
Sebastiano del Piombo (Venedig 1485 – Rom 1547)
Ausstellungsdauer > 28. September 2008







Sebastiano Luciani, gen. del Piombo, ist einer der weniger bekannten, gleichwohl aber herausragenden Renaissancekünstler Italiens. Der aus Venedig stammende Maler, der mit Raffael um die Gunst des römischen Publikums konkurrierte und mit Michelangelo freundschaftlich verbunden war, verschmilzt in seinen atmosphärischen Gemälden die venezianische Farbigkeit seiner Lehrer Giovanni Bellini und Giorgione mit der Monumentalität der römischen Malerei.




Sebastiano del Piombo
Bildnis einer jungen Römerin (Dorothea) ca. 1512
Pappelholz, 78 x 61 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Foto: Volker-H. Schneider



Wenngleich Sebastiano del Piombo heute nicht mehr jene selbstverständliche Popularität hat, die er noch im vorvergangenen Jahrhundert genoß, war er unbestritten im 16. Jahrhundert einer der Hauptdarsteller auf der europäischen Bühne der Malerei, künstlerisch angesiedelt zwischen den Kunst-Polen Venedig und Florenz ebenso wie zwischen den ‚Fixsternen’ Raffael und Michelangelo.

Sebastiano Lucani (1485-1547), wie er mit seinem Geburtsnamen hieß, lebte in der wohl intensivsten Genie-Phase der Renaissance. Michelangelo war sein Freund und Berater, Raffael sein Konkurrent und Gegenspieler. “Del Piombo hatte den gleichen Blick wie die beiden auf die Welt”, schrieb Vladimir Nabokov, ” doch er verstand es, die Kraft des ersten mit der Süße des zweiten zu kombinieren.” Leonardo und Tizian waren seine Zeitgenossen.

Gerade die Beziehungen zwischen Michelangelo und Sebastiano sind in diesem Zusammenhang sehr spannend – menschlich wie künstlerisch: Michelangelo hatte den Venezianer quasi an Sohnes statt aufgenommen. Sebastianos große, in der Ausstellung gezeigte Pietà aus Viterbo basiert
wohl auf einer Entwurfszeichnung Michelangelos. Es ist mehr als lohnend, sich der Malerei Sebastianos erneut zu nähern und über ihn einen besonderen Zugang zur Kunst und Kultur der italienischen Renaissance zu finden.



Sebastiano del Piombo
Tod des Adonis ca. 1505
Öl auf Holz, 40 x 48,5 cm
La Spezia, Museo Civico „Amedeo Lia“


Sebastiano del Piombo
Das Urteil des Salomon ca.
1509 Öl auf Leinwand, 211,5 x 320 cm
Kingston Lacy (Dorset), Sammlung Bankes, National Trust


Sebastiano del Piombo
Heilige Familie mit zwei Engeln in einer Landschaft um 1516-19 verschiedentlich auch um 1525-26 datiert,
Öl auf Holz, 250 x 167 cm
Burgos, Kathedrale, Capilla de la Consolación o de la Presentación



Die Ausstellung ist opulent ausgestattet: Gemälde und Zeichnungen Sebastiano del Piombos zeigen die unterschiedlichen Facetten seines Werks; zudem wird die Rezeption seiner Kunst in Spanien und in Rom dokumentiert. Neben den lebensgroßen, halb- und dreiviertelfigurigen Portraits, die als wahre Spezialität des Künstlers gelten dürfen, wird die Ausstellung als eigentliche Sensation einige Riesenformate präsentieren, darunter das Urteil Salomons aus Kingston Lacy sowie die monumentalen Altarbilder aus Viterbo und Burgos. Bisher gab es keine einzige Gesamtschau zur umfassenden Einschätzung der Lebensleistung Sebastiano del Piombos. Dem macht nun endlich eine Ausstellung ein Ende, die den Namen und das Werk Sebastianos neu vorstellt – bereits Anfang 2008 in Rom, jetzt in Berlin.


Zu seinem Namen kam Sebastiano del Piombo, als Papst Clemens VII. ihm 1531 das gutdotierte Amt eines päpstlichen Siegelbewahrers verlieh.





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~ by Stampfli & Turci on August 11, 2008.

2 Responses to “Sebastiano del Piombo – Ausstellung in der Gemäldegalerie Berlin”

  1. […] Sebastiano del Piombo – Ausstellung in der Gemäldegalerie Berlin […]

  2. Danke für den interessanten Beitrag zu diesem herausragenden Renaessance-Künstler. Mitte der 90er Jahre gab es einen, mittlerwiele glaube ich wieder etwas abgeebbten, neoklassizistischen Trend, der einen ähnlich “graphischen” Eindruck machte, wie die unteren zwei Bilder, weshalb del Piombo sogar irgendwie “modern” wirkt.

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